Junge Union (JU): Im Kommunalwahlprogramm 2014 fordert die Junge Union Köln, dass die Stadt zusammen mit Kindern Schulwege, Spielplätze, Straßen, Bibliotheken etc. besichtigt, damit Kinder dort sagen, was besser gemacht werden könnte. Was halten Sie davon?

Henriette Reker: Ich finde die Idee Kinder als Spielplatz-Scouts einzusetzen, sehr gut: 

Niemand weiß besser als die Kinder, was Spielplätze attraktiver macht. Kinder können auch viel genauer sagen, welche Straßen aus ihrer Sicht schwer zu überqueren sind, wo Zebrastreifen fehlen und welche Ampeln vielleicht länger geschaltet werden müssten.

JU: Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen nehmen wir in der Jungen Union Köln sehr ernst. Deswegen fordern wir die Einrichtung eines Jugendteams in der Verwaltung. Die Jugendlichen sollen durch das Jugendteam zur Mitwirkung vor Ort ermutigt und auch unterstützt  werden.

Diese Forderung würde ich nur unterstützten! Mir persönlich wäre es auch wichtig, dass die Stadt ihre Politik an Schulen erklärt. Es ist wichtig, dass wir schon Kinder und Jugendliche in die Politik einbeziehen: Die Pänz von heute sind die Demokraten von Morgen. Je früher wir sie an die Politik heranführen, desto selbstverständlicher ist es für sie, nachher ihr Wahlrecht wahrzunehmen und zu partizipieren.

Das „Hearing“ zur Partizipation für eine kinder- und jugendgerechte Stadt war hier bereits ein Schritt auf dem richtigen Weg, aber da ist noch deutlich Luft nach oben. Deswegen wäre für mich als Oberbürgermeisterin die Einrichtung eines Kinder- und Jugendbeirates, der Stadtrat und Verwaltung berät, ein wichtiger Baustein. Hierüber würde ich gerne mit allen Kindern und Jugendlichen, den Vereinen und z.B. dem Jugendring ins Gespräch kommen.

JU: Für Kinder, Jugendliche, Schüler, Auszubildende und Studierende ist Mobilität ein wichtiges Thema. Wie kommen wir schnell und sicher durch die Stadt?

H. Reker: Das städtische Mobilitätskonzept „Köln mobil 2025“ enthält viele gute Ideen, die wir umsetzen müssen. Wenn wir Straßen, Radwege und Bahnstationen sanieren, investieren wir gleichzeitig in einen Mobilitätsmix der Zukunft. Mit intelligenten Konzepten wie Park&Ride, Carsharing und Fahrradstationen vernetzen wir die einzelnen Verkehrsmittel besser.

Aber es steht für mich nicht zur Diskussion, dass unsere Brücken und Straßen saniert werden müssen. Nach zehn Jahren der Untätigkeit haben Herr Ott und die SPD das jetzt auch erkannt und wundern sich jetzt, wieso die Brücken und Straßen Kölns sanierungsbedürftig sind.

JU: Die Junge Union Köln pocht für einen Ausbau der KVB und Fahrradwegen. Sie fahren ja auch selbst viel Fahrrad und KVB. Sehen sie dort Verbesserungspotential?

H. Reker: Vor allem das Radfahren muss in der Verkehrsplanung stärker berücksichtigt und durch ein modernes Wegenetz gefördert werden. Die Forderung der Jungen Union nach einem Ausbau und Sanierung des Radwegenetzes unterstütze ich dabei sehr gerne! Ebenso bin auch ich der Meinung, dass die Außenbezirke besser an die Stadt angebunden werden müssen, zum Beispiel durch eine engere Taktung von Bussen und Bahnen oder die Einrichtung von Radexpresswegen. Dabei sollte dann natürlich auch der Weg zu den Hochschulen berücksichtigt werden. Auch über das Thema „innovativen Radwegebau“ können wir uns gerne unterhalten. Ich finde es sehr spannend, die Bürger mit ihren eigenen Projekten von der Stadt zu unterstützen.

Die KVB will jeder ausbauen. Als Oberbürgermeisterin werde ich nicht nur reden und den Zustand beklagen, sondern anpacken. In einer Millionenstadt muss der öffentliche Nahverkehr funktionieren, ohne Wenn und Aber.

JU: Wir haben in der Jungen Union auch konkrete Pläne zur Verbesserung der KVB, kennen sie die?

H. Reker: Ja und ich finde sie sehr ansprechend. Der Einsatz von Gelenkbussen gerade an überlasteten Strecken vor Schulbeginn und eine bessere Uni-Anbindung ist eine Möglichkeit, die Pänz und Kölner Jugend ideal zu entlasten. Die Sicherheit in der KVB ist auch noch stark ausbaufähig. Hier will ich auch, dass es unserer Jugend an nichts mangelt.

JU: Eine Stadt sollte immer attraktiv sein. Wir diskutieren stetig, wie wir das in Köln erreichen können. Wir wollen zum Beispiel mehr Bänke in der gesamten Stadt auf Wegen und Plätzen, zum Ausruhen und einfach nur rumsitzen. Wie wollen sie unser Köln noch schöner machen, Frau Reker?

H. Reker: Eure Ansätze sind schon sehr klug. Der erste Schritt für eine schöne Stadt, wäre eine aufgeräumte Stadt. Ein Weg dafür ist zum Beispiel, die Abfalleimer besser zu verteilen, Reinigungsprozesse zu optimieren und noch genauer zu überprüfen, welche Schilder aufgestellt werden müssen. Verschmutzung muss in Köln aber auch schwerer geahndet werden. Es ist auch einfach rücksichtslos seinen Müll, überall liegen zu lassen, denn letztendlich wollen alle eine saubere Stadt. Als Oberbürgermeisterin wird es mir auch ein Anliegen sein, den immer mehr werdenden  „Steinwüsten“ in Köln etwas entgegen zu setzen. Begrünung der Plätze und Gebäude, gegebenenfalls auch  mit mobilem Grün wie von euch der Jungen Union Köln bereits vorgeschlagen, klingen sehr wirksam für mich.

Reker Dom Profilbild

 

Ich möchte die Innenstadt Kölns für Kölnerinnen, Kölner und Touristen noch attraktiver machen. Dazu gehört, dass Plätze neu gestaltet werden, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Durch grüne und schattenreiche Plätze begegnen wir nicht nur dem Klimawandel angemessen, sondern fördern auch die Lebensqualität. Viele Flächen können der Natur und den Menschen wiedergegeben werden und gleichzeitig dem Klima zugutekommen. Überall dort, wo Menschen sich engagieren und eigenverantwortlich etwas dazu beitragen, dass die Stadt schöner wird, müssen wir das fördern - ich denke dabei an den Brüsseler Platz oder die Gemeinschaftsgärten in Ehrenfeld,  Kalk und im Kölner Süden. 

Aufenthaltsqualität ist aber viel mehr: Um überall arbeiten zu können - auch im Grünen - und um die Innovationskraft Kölns zu stärken, müssen wir kostenfreies WLAN ausbauen und für alle zugänglich machen. Ganz wichtig: Der bestehende Masterplan für Köln muss dringend umgesetzt werden. Das heißt, dass ich mich dafür einsetzen werde, dass der Grüngürtel bis zum Rhein geschlossen wird. Als Oberbürgermeisterin wird es mir ganz wichtig sein, das Erbe von Konrad Adenauer weiterzuentwickeln.

JU: Sie sagen, wir brauchen ein lebendiges Köln. Es gibt nichts Lebendigeres als die Jugend. Wie will aber die Stadt lebendig sein, wenn junge Menschen und junge Familien kein Zuhause finden? Der Wohnraum wird immer teurer und darunter leidet die Bevölkerung, vornehmlich die Studenten und Azubis. Eine Besserung wird sehnlich erhofft, aber bleibt bisher aus.

H. Reker: Als wachsende Metropole ist Köln auf neuen Wohnraum angewiesen. Wir wollen die Studenten. Sie sind gut für unsere Stadt. Deshalb haben Studenten es verdient anständigen, bezahlbaren Wohnraum vorzufinden. Wir müssen mehr Studentischen Wohnraum und sozialen Wohnraum schaffen. Kurzfristig sind auch die Lösungsvorschläge der JU gut: Wir müssen schnell und flexibel Wohnraum für Studierende bereitstellen, zum Beispiel durch die Anmietung von Containern oder die Umnutzung von leerstehenden Gebäuden der Stadt.Aber Wohnungen zu bauen alleine, reicht nicht. Eine Planung für die wachsende Stadt muss auch den öffentlichen Raum gestalten und Mobilitäts- und Bildungsangebote ausbauen.

Herr Ott hat auch diese Notwendigkeit als Wahlkampfthema  entdeckt. Ich jedenfalls werde ab September die Ärmel hochkrempeln und die Situation der Studenten in der Stadt Köln verbessern.

JU: Da wir gerade von SPD-Missmanagement sprechen, sie haben sich einiges innovatives vorgenommen, aber wie soll das finanziert werden ? Die SPD Köln war ja damit die letzten Jahre beschäftigt den Stadthaushalt in den Ruin zu treiben.

H. Reker: Wir brauchen solide Finanzen, denn das sind wir auch den nachfolgenden Generationen schuldig. Einnahmen und Ausgaben müssen auf Dauer ausgeglichen sein. Das geht nicht von heute auf morgen und wir schaffen es auch nicht alleine, denn unsere Aufgaben und die Anforderungen der Bürgerinnen und Bürger an eine leistungsfähige Stadt wachsen kontinuierlich. Wir brauchen eine nachhaltig bessere Unterstützung durch den Bund.

Um eine bedarfsgerechte Infrastruktur zu gewährleisten, sollen Kooperationen in der Region genutzt werden, um unseren Haushalt finanziell zu entlasten. Wir müssen aber auch lernen, dass nicht alles, was wünschenswert ist, auch finanziert werden kann. Wir müssen klare Prioritäten setzen. Meine ganze Politik als Oberbürgermeisterin soll von der Nachhaltigkeit geprägt sein.

Klar ist auch: Wir können nur ausgeben, was wir einnehmen. Daher muss Köln ein attraktiver Wirtschaftsstandort sein. Ich werde Wirtschaftsförderung professionalisieren, damit diese als Ansprechpartner der Wirtschaft mit der Rückendeckung der Stadtspitze Unternehmen in Köln halten und neue akquirieren kann. Außerdem werde ich regionale Unternehmen bei städtischen Ausschreibungen gezielt berücksichtigen, um die lokale Wirtschaft zu stärken und Aufträge effizient und bürgernah abzuwickeln.

Jeder 10. Arbeitsplatz in Köln befindet sich in der Medien- und Internetwirtschaft. Die Medienstadt Köln muss wieder mehr in den Fokus der Wahrnehmung gerückt werden. Ich will Unternehmensgründungen erleichtern, indem wir die Verwaltung verschlanken und Bürokratie abbauen und finanzielle Planungssicherheit schaffen. Das Anliegen der JU, Startups zu fördern ist richtig! Die Stadt muss Ausgründungen fördern, indem die Universität mit der Startup-Landschaft und den entsprechenden Institutionen in der Stadt, wie IHK oder Wirtschaftsdezernat, verknüpft wird.

JU: Sie stehen wie keine andere Person in dieser Stadt für Nachhaltigkeit: sozial, finanziell und ökologisch. Was wollen Sie für den Klimaschutz machen?

H. Reker: Als Oberbürgermeisterin möchte ich Klimaschutz umsetzen. Ich werde relevante Akteure wie die RheinEnergie, die Verbraucherschutzzentrale, die Energieagentur NRW, die IHK und die Handwerkskammer zu einer unabhängigen Energieberatung vernetzen. Als Stadt müssen wir außerdem stärker mit der Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, indem Projekte wie Smart City Cologne oder Ökoprofit ausgebaut und stärker positioniert werden.

JU: Nachhaltigkeit ist wahre Generationengerechtigkeit. Vielen Dank Frau Reker für das Interview!  Wir hoffen nun alle, dass sie unsere „Nachhaltige Oberbürgermeisterin“ werden!!! 

 

Das Interview wurde schriftlich geführt.