Die Gründungs- und Anfangsjahre

Während der Gründungsphase der CDU gab es im Zuge der Überlegungen zu den innerparteilichen Vereinigungen weitverbreitete Bestrebungen, der jungen Generation ein Forum zur Artikulation ihrer Interessen zu schaffen. Diese sollte in der Form einer Vereinigung eingefügt werden und nicht als eigentliche Jugend- bzw. Nachwuchsorganisation der Partei. Jedoch ähnlich der Gründung der CDU kam der Gründungsschub der Jungen Union aus den Kreisen und Gemeinden in Deutschland. In vielen Kreisen bzw. Kreisverbänden wurden CDU-Jugendorganisationen gegründet, deren Namen nicht immer Junge Union lauteten und häufig verschiedene Organisationsstrukturen (u.a. auch als „Ausschuss“ oder „Arbeitskreis“) besaßen, deren Charakter aber eindeutig in Richtung einer expliziten Nachwuchsorganisation und nicht als Vereinigung konzipiert waren.

So auch in Köln.

Leider lässt sich heute nicht mehr das genaue Gründungsdatum der Jungen Union Köln feststellen, es kann nur grob in den Zeitraum Ende Juni / Anfang Juli 1946 datiert werden. Dr. Josef Löhr erhielt Ende 1945 als Mitglied des CDU-Kreisvorstandes den Auftrag, Möglichkeiten für eine Einbeziehung der jüngeren Generation (d.h. der Kreisgeneration) in die Partei zu suchen und zu organisieren. In Zusammenarbeit mit Dr. Bruno Six, dem späteren ersten Bundesvorsitzenden der Jungen Union, und Elisabeth Katzer (geb. Kaiser) wurde ein Arbeitskreis für jugendpolitische Bildungsarbeit gegründet, der schließlich in die Gründung der Jungen Union Köln mündete. Erster Vorsitzender der Jungen Union Köln wurde 1946 Heinrich Pick, der 1948 das Amt an Franz Durant (bis 1950) weitergab. Diese beiden Vorsitzenden und ihre Vorstände befassten sich hauptsächlich mit dem Aufbau eines Mitgliederstammes und der Organisation der Jungen Union in Köln. Man darf nicht vergessen, dass die damaligen Funktionsträger der Jungen Union – analog zu heute – auch Funktionsträger der CDU waren und der Aufbau und die Etablierung der jungen Mutterpartei die vordringliche Aufgabe war.

Anfang der 1950iger Jahre war die Organisationsbasis soweit gefestigt, dass die Junge Union ihre Arbeit aufnehmen konnte. Ihr Markenzeichen waren sachpolitische Arbeitskreise mit programmatischer Arbeit. Mit welchem Selbstbewusstsein und Selbstverständnis der JU’ler der ersten Generation an die Gestaltung der neuen Demokratie gingen, verdeutlicht folgender Text aus dem Jahre 1951:

„Junge Union Köln auf dem Vormarsch“

„Wer noch vor einem halben Jahr von der Bedeutungslosigkeit der Jungen Union in Köln gesprochen hat, ist inzwischen eines Besseren belehrt worden. Nicht nur, weil die Presse immer wieder von ihr berichtet hat, nicht nur, weil sie am entschiedensten den Kampf gegen rechts und links in Angriff genommen hat, nicht nur, weil sie die Mittel und Wege zur politischen Erziehung der jungen Generation mit Erfolg beschritten hat, sondern auch, weil sie sich innerhalb der Partei in maß- und taktvoller Arbeit eine Stellung erobert hat, die ihr heute nicht mehr bestritten werden kann.

Wir dürfen mit Freude zurück und mit Hoffnung in die Zukunft sehen in der Erkenntnis, dass etwas geschafft worden ist und unsere Arbeit neue erfreuliche Ansatzpunkte zeigt. Allen Miesmachern zum Trotz sei gesagt, dass sicher der Einsatz zunächst einer kleinen Schar, die sich schnell vergrößerte und heute täglich zunimmt, gelohnt christlicher Menschen wächst in Köln, der abstrakten Grenze des Politischen nicht halt macht und auch ein persönliches Band schafft, das Grundlage jeder echten Bewegung ist.

Wir sind uns dessen bewusst, dass von Köln aus die CDU ihren Weg genommen hat. Wir sind uns der kulturellen und politischen Schwerkraft unserer Heimat bewusst und müssen von hier die Verpflichtung übernehmen, die Junge Union zu einem kraftvollen Strukturelement der deutschen Politik zu machen. Der Anfang ist gemacht. Wir müssen Sorge tragen, dass auch auf Landes- und Bundesbasis in der Jungen Union ein frischer und lebendiger Wind wehen wird. Wir müssen Sorge tragen für eine echte ethische Fundierung der Politik. Wir müssen Sorge tragen, dass in die richtigen Adern das richtige Blut gepumpt wird.

Ohne uns wird es so bleiben wie es ist. Es wird Stillstand sein und das bedeutet Rückgang. Die deutsche politische Situation wird nur dann gut und richtig sein und werden, wenn die junge christliche Front mit ihrer motorischen Aktivität und der Leidenschaft zum unbedingten Besitz ergreift vom politischen Raum. Das muss gelingen. Sonst wird die Zukunft von Antichristen regiert. Nicht nötig ist ein Aufgebot der Massen. Es ist eine historische Tatsache, dass aktive Minderheiten, die miteinander durch dick und dünn gehen, das politische Gesicht eines Volkes formen.

Die Junge Union Köln ist im Vormarsch. Mit viel Geduld und Liebe wird uns das Werk gelingen. Wir rufen alle, die guten Willens sind auf; zu uns zu kommen und bei dem schweren und harten Weg mitzutun.“

(Quelle: Mit uns – Aussprache- und Informationsblatt der Jungen Union Köln; Nr. 4; 15. Juli 1951; Seite 1f.)

Dass der kämpferische Tonfall des Textes keine leere Attitüde war, zeigten die Wahlkämpfe jener Jahre. Die Aktivisten der Jungen Union waren auch schon damals die Stützen der jeweiligen Wahlkämpfe jener Zeit, zumal infolge eines Eintrittsalters von 16 Jahren und eines Ausschlussalters von 40 Jahren die meisten Funktionsträger der Jungen Union in einem (für heutige Verhältnisse) gesetzteren Alter waren. Trotzdem ging die JU damals auch in Gebiete, wo es – im wahrsten Sinne des Wortes – „weh“ tat. So scheute man sich damals nicht, beim Schichtwechsel vor den Toren der großen Kölner Betriebe Handzettel zu verteilen. Überkleben von gegnerischen Plakaten in der Dunkelheit gehörte zum guten Ton. Dabei kam es natürlich zu Reibereien und eine gelegentliche Rauferei mit einigen Blessuren gehörte wohl zum Geschäft. Man nahm das Wort Wahlkampf wohl noch etwas wörtlicher als heute.

Dies war aber nicht der einzige Unterschied zum heutigen Erscheinungsbild der Jungen Union Köln. Analog der damaligen CDU war die Junge Union nur auf Kreisebene der Stadt Köln organisiert. Orts- und Stadtbezirksverbände gab es - mangels Masse an Mitgliedern - damals nicht.